Klassische vs. moderne Hypnose

Tatsächlich ist in Deutschland ein Streit darüber entbrannt, welche Hypnose-Methode die bessere sei – die direkte, „klassische“ Hypnose oder die indirekte, „moderne“ Hypnose. Letztere wird mit den Methoden des zeitgenössischen Hypnosepioniers und Psychotherapeuten Milton Erickson identifiziert, was fachlich nicht ganz korrekt ist, da Erickson alle Formen nutzte. Doch um zu verstehen, worum es in dem „Streit“ geht, bedarf es etwas Basiswissen über die praktische Durchführung der Hypnose.

Direkte Hypnose

Direkte, sogenannte klassische Hypnose ist die bekanntere Form der Hypnose. Viele lernen sie über die Showhypnose kennen. Direkte, klassische Hypnose wird aber auch in therapeutischen Zusammenhängen eingesetzt. Wie sieht das konkret aus?

Jede Hypnose-Methode zielt darauf ab, den zu Hypnotisierenden in eine definierte Trancetiefe zu führen, damit entsprechende Suggestionen wirken können.

Aufbau klassische Hypnose

  • Das Vorgespräch dient dem Kontakt aufnehmen, dem Gewinnen von Vertrauen und dem Sammeln von Informationen über positive Ressourcen des zu Hypnotisierenden. Bereits in dieser Phase wird im Gespräch Trance induziert (eingeleitet).
  • Hypnose Einleitung: Mit direkter, klassischer Hypnose wird etwa die Fixationsmethode (konzentriere dich auf einen Punkt/dieses Pendel vor deinen Augen) angewendet, um eine hypnotische Trance einzuleiten. Bei der Bühnenhypnose werden Überraschungseffekte genutzt.
  • Vertiefung: Die Vorstellung des Hinabsteigens einer Treppe ist eine gern angewandte Methode der direkten Schule, um eine beginnende Trance weiter zu vertiefen. Es reicht oft auch einfach das Wiederholen der Worte „tiefer, immer tiefer“.
  • Die Intervention („Durchführung“) einer klassischen Hypnose beruht auf dem Formulieren direkter Anweisungen (Suggestionen). Bei der Bühnenhypnose ist das der Zeitpunkt, in dem der Hypnotisierte in tiefer Trance angewiesen wird, wie ein Huhn zu gackern. Der klassische Hypnosetherapeut suggeriert etwa, dass man unbändige Lust auf Obst und Gemüse entwickelt.
  • Die Aufwachphase: Der klassische Hypnotiseur zählt und verbindet den Countdown mit dem Aktivieren der normalen geistigen und körperlichen Funktionen des Wachbewusstseins, etwa dem Recken und Strecken der Glieder. Versierte Hypnotiseure nutzen selbst die Aufwachphase, um hilfreiche (posthypnotische) Suggestionen zu geben.
  • Das Nachgespräch dient unter anderem der Vergewisserung, dass der Hypnotisierte wieder vollkommen wach und im Hier und Jetzt angekommen ist.

Indirekte Hypnose

Auf den ersten Blick scheint der Unterschied zwischen direkter und indirekter Hypnose banal. Er hat aber weitreichende Konsequenzen. Direkte und indirekte Hypnose als Methode unterscheidet sich unter anderem hinsichtlich der Formulierung der jeweiligen Suggestion. Beispiel: „Deine Glieder werden jetzt schwer, immer schwerer“ (direkte Hypnose). „Vielleicht spürst du jetzt oder später, wie sich deine Glieder schon ein wenig schwerer anfühlen“ (indirekte Hypnose).

Bei der direkten Hypnose „Du fühlst dich schwer“ ist es möglich, Widerstand aufzubauen. Innerlich „Nein, ich fühle mich aber nicht schwer“ zu sagen. Bei der indirekten Methode ist es für den Hypnotisierten nicht möglich, auf die gegebenen Vorstellungen mit einem innerlichen „Nein“ zu antworten. Es wird stets so formuliert, dass prinzipiell alles bejaht werden kann. Das macht Sinn, denn jeder auf ein „Ja“ folgende Vorschlag wird leichter bejaht. Die „Ja’s“ fallen immer leichter. Dies ist ein Grundbaustein der modernen Hypnose.

Natürlich bleibt es bei der Methode der indirekten, permissiven („erlaubenden“) Hypnose nach Erickson nicht bei diesen schlichten Sätzen. Seit den 50er Jahren hat sich ein weites Spektrum an Möglichkeiten, vom simplen, indirekt formulierten Satz bis hin zu Metaphern, Analogien und hypnotischen Geschichten entwickelt. Und auch die Struktur einer solchen Sitzung ist anders:

  • Vorgespräch und Einleitung
  • Vertiefung, Durchführung
  • Aufwachphase/Nachgespräch

Die „moderne“ Hypnose bedarf keiner so großen Trancetiefe wie die klassische. Zudem gleiten die jeweiligen Phasen ineinander. Manche so Behandelten meinen, gar nicht hypnotisiert gewesen zu sein. Diese irren, denn physiologisch kann man inzwischen deutlich den dritten Bewusstseinszustand („Trance“) von anderen unterscheiden – durch Messen von körperlichen Funktionen, vor allem aber durch bildgebende computergestützte Verfahren der Hirnforschung. Ergebnis: Sowohl bei mit der direkten wie mit der indirekten Methode gehen die Probanden in Hypnose, im Gehirn sind Prozesse zu erkennen, die weder im Wach-Zustand noch im Schlaf – auch nicht in der Traumphase – vorkommen.

Dennoch behaupten Vertreter sowohl des einen wie des anderen „Lagers“, die jeweilige Methode wäre erfolgreicher als die andere. Die Behauptungen stützen sich meist auf Erfahrungswissen, es gibt wenige brauchbare Studien zu diesem Thema. Die aussagekräftigste Studie wurde Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts durchgeführt. Ihr Ergebnis wird interessanterweise von beiden Lagern als Beleg für sich und gegen die anderen benutzt. Dies gelingt, indem man die Studie unvollständig liest und ihre Differenzierungen ausblendet. Gerade darum ist sie aber so interessant und es lohnt sich, einen Blick darauf zu werfen.

Die Studie der Psychologen Lyn, Weekes, Matyi und Neufeld, Victor erschien 1988 in der Zeitschrift für abnormale Psychologie unter dem Titel „Direkte versus indirekte Suggestionen, Rapport und hypnotische Erfahrung“. Sie vergleicht die Wirkungen von direkter und indirekter Hypnose in Bezug auf den hypnotischen Rapport (ein emotionales Band zwischen dem Hypnotisierenden und dem Hypnotisierten), in Bezug auf objektive Wirkungen und subjektive Erfahrung, darunter vor allem die Erfahrung von Unwillkürlichkeit (nicht vom eigenen Willen gesteuert).

Das Ergebnis

Beide Methoden können zum Ziel führen, es gibt keine Überlegenheit der einen oder anderen Methode per se. Welche Methode angezeigt ist, ob man die Methoden im Laufe der Sitzung mischt, ist eine Frage der Disposition des Klienten und bleibt somit der Erfahrung und Intuition des Hypnotiseurs überlassen. Es dürfte wohl derjenige – mit welcher Methode auch immer – erfolgreicher sein, der in der Lage ist, sich dem jeweiligen Gegenüber optimal anzupassen.

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