Bestimmte hypnotische Phänomene sind den verschiedenen Trance-Tiefen zugeordnet. Beispiel: Das Phänomen, seine Augenlider nicht mehr öffnen zu können – bei entsprechender Suggestion – tritt bereits in einer leichteren Trance auf. Das Phänomen einer negativen Halluzination, etwa den Kopf des Gegenüber nicht mehr sehen zu können, in tieferer Trance.

Es gilt die Regel: Je tiefer die Trance, desto außergewöhnlicher die Phänomene, die mit Hypnose erlebt werden. Forscher nutzen die Hypnosephänomene umgekehrt, als Indikator von Trancetiefe und Hypnotisierbarkeit. Lesen Sie hier, wieviel Prozent der Deutschen – im Rahmen der fundiertesten und statistisch relevanten Vergleichsstudie – nach erfolgreicher Hypnose-Induktion hypnotische Phänomene erleben (in Klammern zum Vergleich das Ergebnis der Studie bei US-Amerikanern):

Deutsche leichter hypnotisierbar als Amerikaner?

  • Senken der rechten Hand: 96 % (USA: 92 %). Die Suggestion führt dazu, dass der Proband den Arm während oder kurz nach der Suggestion vollständig senkt, ohne dass er willentlichen Einfluss nimmt.
  • Bewegung der Hände auseinander: 78 % (88 %). Vor dem Oberkörper werden die Hände ausgestreckt und zusammengebracht. Die Suggestion: Eine Kraft drückt die Handflächen auseinander.
  • Halluzination eines Moskitos: 32 % (48 %). Dem Hypnotisierten wird eine Stechmücke suggeriert, und er soll sie verscheuchen. Die Suggestion gilt als erfüllt wenn er oder sie mit dem Armen entsprechende Bewegungen macht, obwohl keine Mücke im Raum ist.
  • Zitrone schmecken: 49 % (46 %). Die Probanden nehmen überzeugend verschiedene Geschmackshalluzinationen wahr: den Geschmack einer Zitrone, den Geschmack von Zucker.
  • Armrigidität: 69 % (45 %). Der rechte Arm ist vor sich ausgestreckt. Die Suggestion lautet, dass der Arm nicht gebeugt werden kann, selbst wenn man es probiert. Die Suggestion gilt als erfüllt, wenn – wie bei den ersten drei Tests – die Reaktion während der Suggestionsphase oder bis zu zehn Sekunden danach erfolgt ist.
  • Traum: 49 % (44 %). Der Hypnosetherapeut suggeriert den Testpersonen, einen Traum zu einem bestimmten Thema (bei der Studie war das ein Traum über Hypnose) zu träumen. Für die Traumerfahrung erhält die hypnotisierte Person zwei Minuten Zeit.
  • Altersregression: 48 % (43 %). Die Tester führen die hypnotisierte Testperson hypnotisch zurück, und zwar in die fünfte und die zweite (Schul-)Klasse. Bei erfolgter Rückführung erhalten die Probanden die Anweisung ihren Namen zu schreiben. Die Suggestion gilt als erfolgreich, wenn eine Veränderung der Handschrift verzeichnet werden konnte – zumindest bei einem der beiden Alter.
  • Katalepsie des Arms: 55 % (36 %): Der linke Arm soll auf den Beinen beim Sitzenden Probanden aufliegen. Er wird als erstarrt und unbeweglich suggeriert. Die Übung ist erfüllt, wenn der Arm nicht mehr angehoben werden kann.
  • Unempfindlichkeit bei ätzendem Geruch: 39 % (19 %). Geruchsunempfindlichkeit, auch Anosmie genannt, wird suggeriert. Eine kaum verdünnte Ammoniak-Lösung (1 Teil Wasser, 4 Teile Ammoniak) wird dem Hypnotisierten unter die Nase gehalten. Die normale Reaktion im Wachzustand auf den ätzenden Geruch wäre eine Abwehrbewegung wie etwa das Zurückziehen des Kopfes. Die Suggestion galt als erfüllt, wenn die Testperson keine derartige Reaktion zeigte.
  • Positive Halluzination: 3 % (9 %). Dem Hypnotisierten werden scheinbar Fragen über einen Lautsprecher gestellt. Wenn er auf diese (eigentlich ja gar nicht gestellten) Fragen antwortet, gilt die Suggestion als erfüllt (Halluzination einer menschlichen Stimme).
  • Negative Halluzination: 13 % (9 %). Dem Probanden werden drei Karten eines Kartenspiels vorgelegt. Die Suggestion: Er sieht nur zwei.
  • Posthypnotische Amnesie: 23 % (27 %). Den Testpersonen wird suggeriert, sie vergessen den gesamten Hypnosetest und können sich solange nicht daran erinnern, bis die suggerierte Amnesie (Vergessen) zurückgenommen wird. Erfüllungskriterium war hier, dass maximal drei der zwölf Testaufgaben erinnert werden durften.

Anmerkung:

Man erkennt, dass fast jeder grundsätzlich hypnotisierbar ist. Was aus der Studie nicht hervorgeht, aber anerkannt ist: Je häufiger jemand hypnotisiert wird, desto tiefer kommt er und desto eher würden sich auch schwierigere Suggestionen wie etwa die Halluzination einer Stimme realisieren. Suggestibilität im Sinne von Hynotisierbarkeit ist also kein festgelegter Wert. Sondern eine Frage der Übung.

 

Quelle: Weitzenhoffer, A. M., & Hilgard, E. R. (1962). Stanford hypnotic susceptibility scale, Form C. Palo Alto, CA: Consulting Psychologists Press. https://www.comment-hypnotiser.com/wp-content/uploads/2018/02/SHSSC_Script.pdf

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